Meldung vom 26.11.2018 17:21:41
Denkmal-Oscar des Landkreises geht nach Mintraching, Hemau, Karlstein und Eilsbrunn
Regensburg (RL). Der Denkmalschutzpreis des Landkreises Regensburg 2018 geht mit jeweils 2.000 Euro an die Eigentümer des Holzerhauses in Mintraching, des Geigerhauses in Hemau und der Orangerie in Karlstein. Eine undotierte Anerkennung für den gelungenen architektonischen Umgang mit nicht denkmalgeschützter historischer Bausubstanz wurde dem im ehemaligen Sudhaus untergebrachten Hotel Röhrl in Eilsbrunn ausgesprochen. Die Verleihung des Denkmalschutzpreises, die im Hotel Röhrl stattfand und von der Hemauer Knöpferl Blosn musikalisch umrahmt wurde, nahmen Landrätin Tanja Schweiger und Kulturreferent Dr. Thomas Feuerer vor.

Vier Preisträger gab es beim Denkmalschutzpreis des Landkreises Regensburg 2018,
Vier Preisträger gab es beim Denkmalschutzpreis des Landkreises Regensburg 2018,
von links: Stellvertretender Landrat Willi Hogger, Dr. Manuela Daschner, Kulturreferat Landkreis Regensburg, Landrätin Tanja Schweiger, Martin Höllriegl, Angelika Höllriegl, Gabriele Gräfin von Drechsel, Ferdinand Graf von Drechsel, Beatrice Horsch, Dr. Ernst Horsch, Kulturreferent Dr. Thomas Feuerer

Wie die Landrätin in ihrer Begrüßung betonte, war sich die Jury unter der Leitung der Stellvertretenden Landräte Willi Hogger und Johann Dechant einig, dass es sich bei allen vier Objekten um besonders anerkennenswerte denkmalpflegerische Maßnahmen handle. Die Preisträger hätten sich zudem durch ihre Bereitschaft ausgezeichnet, sich auf das jeweilige historische Gebäude einzulassen. Außerdem hätten alle in vorbildlicher Art und Weise mit den Denkmalbehörden bzw. qualifizierten Fachleuten zusammengearbeitet. Ihr Dank gelte den weiteren Wettbewerbsteilnehmern, aber generell auch allen, die sich für den Erhalt und die Pflege von Baudenkmälern einsetzen. Dieses Engagement sei Grundlage und Voraussetzung für die Entwicklung einer regionalen Identität und auch Ausdruck einer großen Verbundenheit mit der Heimat.

Erstmalig im Jahr 2006 und insgesamt bereits zum sechsten Mal waren private Bauherren aufgerufen, ihre in den letzten fünf Jahren sanierten Baudenkmäler in der Region zum Wettbewerb anzumelden. Aus den 13 eingesandten Vorschlägen zog die aus Politikern und Fachleuchten aus den Bereichen Architektur, Denkmal- und Heimatpflege bestehende Jury vier Objekte in die engere Wahl. Nach einer Ortsbesichtigung und intensiver Beratung wurde schließlich die Preisvergabe festgelegt.

An der Preisverleihung im Hotel Röhrl nahmen die Bauherren mit ihren Familien, welche die Vorhaben in starkem Maß mitgetragen haben, teil: Dr. Ernst und Beatrice Horsch, Mintraching, Martin und Angelika Höllriegl, Hemau, Ferdinand Graf und Gabriele Gräfin von Drechsel, Karlstein, sowie Katharina und Andreas Röhrl, Eilsbrunn. Anwesend waren neben den Jurymitgliedern und den zuständigen Bürgermeistern Angelika Ritt-Frank (Mintraching), Johann Pollinger (Hemau), Siegfried Böhringer (Regenstauf) und Patrick Grossmann (Sinzing) auch die beteiligten Architekten und viele ausführende Handwerker. Auch für sie war es eine Stunde der Anerkennung, in der ihr Können und ihre Bereitschaft, alte Baumaterialien aus ihrem Dornröschenschlaf zu erwecken und die fast vergessenen, oft viel arbeitsintensiveren Bautechniken anzuwenden, gelobt wurden.

Hier die Bewertungen der Jury zu den vier ausgezeichneten Objekten:
Bei dem im alten Ortskern von Mintraching gelegenen „Holzerhaus“ handelt es sich um ein markantes Beispiel eines einst für den südlichen Landkreis Regensburg typischen Wohnstallhauses. Das aus dem 17./18. Jh. stammende Gebäude gehörte ursprünglich zu einem Dreiseithof. Es ist von hoher ästhetischer Qualität, und eine Reihe von besonderen Ausstattungsmerkmalen begründet seine große bauhistorische Bedeutung. Nach jahrelangem Leerstand und bisweilen heftigen öffentlichen Auseinandersetzungen wurde es zwischen 2015 und 2017 mit großer Leidenschaft und enormem Engagement der neuen Eigentümer vor dem bereits beantragten Abbruch gerettet, zu früherem Glanz geführt und einer angepassten, ohne den Ausbau des Daches auskommenden, sinnvollen und nachhaltigen Nutzung als Wohnhaus zugeführt. Das Ergebnis der Maßnahme ist in jeder Hinsicht bemerkenswert und hat zweifellos Symbolcharakter.

Das Ende des 19. Jh. am Stadtplatz von Hemau errichtete dreigeschossige Wohn- und Geschäftsgebäude „Geigerhaus“ weist eine qualitätsvolle Fassadengliederung in den Formen der Neurenaissance und einen nahezu vollständig erhaltenen bauzeitlichen Bestand an Kastenfenstern und Innentüren auf. Aufgrund seiner städtebaulichen Lage, des architektonischen Anspruchs sowie des überlieferten Ausstattungsbestandes gehört das Gebäude zu den bedeutendsten Baudenkmälern im Gemeindebereich. Bei der zwischen 2011 und 2016 erfolgten, mit viel Enthusiasmus und beeindruckendem persönlichen Engagement des Bauherrn durchgeführten Gesamtsanierung wurde größter Wert darauf gelegt, bauzeitliche Details wo immer möglich zu erhalten und das Gefüge des Hauses so wenig wie möglich zu stören. Bei einer nicht privat genutzten Immobilie ist diese Herangehensweise alles andere als selbstverständlich und deswegen aller Ehren wert.

Die 1842 als verputzter Ziegel- und Bruchsteinbau im klassizistischen Stil im Park des Schlosses Karlstein errichtete Orangerie war dereinst für die Unterbringung nicht winterharter Pflanzen gedacht. Der überregional bedeutende Bau, der aus zwei Glashäusern besteht, in deren Mitte sich ein Gartensalon befindet, wurde nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten in jeder Hinsicht vorbildlich instandgesetzt. Alles, was nach jahrzehntelangem Dornröschenschlaf und vielen Zerstörungen noch zu retten war, ist auch gerettet worden. Lediglich die restlos zerstörten historischen Tapeten des Gartensalons mussten durch moderne, sich jedoch bestens einfügende Fotokunst ersetzt werden. Bemerkenswert ist, dass der Bauherr bewusst auf die für eine rentierliche Nutzung erforderlichen modernen Einbauten verzichtete. Alles in allem besticht die Maßnahme durch ihre rundherum herausragende Qualität.

Weil es sich beim Alten Sudhaus in Eilsbrunn nicht um ein Baudenkmal im rechtlichen Sinne handelt, konnten Bauherr und Architekt beim Umbau zum Hotel wesentlich freier agieren. Das bemerkenswerte Ergebnis ihrer schöpferischen Bemühungen ist ein Gesamtkunstwerk, das vor allem deswegen überzeugt, weil hier mit viel Gespür wichtige Aspekte der Nutzungsgeschichte berücksichtigt und zahlreiche bauliche Details des historischen Gebäudes bewahrt wurden. Angesichts dessen beschließt die Jury, diese auch für das Ortsbild von Eilsbrunn absolut prägende Maßnahme zwar nicht mit einem Denkmalschutzpreis auszuzeichnen, aber dafür eine undotierte Anerkennung für den ausgesprochen gelungenen architektonischen Umgang mit nicht denkmalgeschützter historischer Bausubstanz auszusprechen.

Hintergrund:
Beim Denkmalschutzpreis des Landkreises Regensburg handelt es sich um eine im Jahre 2006 vom Kulturausschuss des Kreistages ins Leben gerufene Auszeichnung für beispielhafte denkmalpflegerische Leistungen, die Privatpersonen zur Erhaltung und Pflege ihres Eigentums erbracht haben.

Mit der Verleihung dieses Preises soll privates Engagement der BürgerInnen des Landkreises Regensburg im Bereich der Denkmalpflege sowohl geweckt als auch gewürdigt werden.

Der Jury des Denkmalschutzpreises 2018 gehören neben ihren Vorsitzenden, den stellvertretenden Landräten Willi Hogger und Johann Dechant, die Kreisrätinnen und Kreisräte Paula Wolf, Christa Wunderer, Herbert Schötz, Thomas Gabler, Alois Dürr, Claudia Wiest und Johann Jeserer an; desweiteren Fachleute aus den Bereichen Architektur, Denkmal- und Heimatpflege: Dipl.Ing. Susanne Christoph vom Landratsamt Regensburg, Dipl.-Ing. Architekt Günter Naumann, Kreisdenkmalpfleger Peter Lutz, Hauptkonservator Dr. Michael Schmidt, Dr. Manuela Daschner von der Unteren Denkmalschutzbehörde und Kulturreferent Dr. Thomas Feuerer.