Ein Leben mit Pflegekind – Eine Mama aus dem Landkreis erzählt

Wenn Kinder nicht bei ihren leiblichen Eltern leben können, geben Pflegeeltern Halt. (Foto: LRA/©candy1812 - stock.adobe.com)
Wenn Kinder nicht bei ihren leiblichen Eltern leben können, geben Pflegeeltern Halt. (Foto: LRA/©candy1812 - stock.adobe.com)

14.08.2019 Um glücklich aufwachsen zu können, brauchen Kinder Geborgenheit, liebevolle Zuwendung und ein gedeihliches Umfeld. Aber nicht alle Eltern sind, aus unterschiedlichen Gründen, in der Lage, ihre Kinder gut zu versorgen und zu fördern. Wenn Kinder zeitweise oder auf Dauer nicht mehr in ihren Familien leben können, brauchen sie andere Menschen, die für sie da sind. Eine Möglichkeit ist die Heimunterbringung. Bevorzugt aber bemüht sich der Pflegekinderdienst des Kreisjugendamts – besonders wenn die Kinder noch klein sind – um die Vermittlung in eine Pflegefamilie. Etwa 130 Kinder im Landkreis Regensburg leben derzeit bei Pflegefamilien und eines davon ist der zehnjährige Maximilian (Red.: Name geändert), der als Baby zu Familie H. kam. Seine Pflegemama gibt im Interview Auskunft, damit sich Paare, die ebenfalls überlegen, ein Pflegekind aufzunehmen, ein erstes Bild machen können.

Welche Beweggründe gab es für Sie, Pflegemutter/-eltern zu werden?

Pflegemutter: Wir haben uns damals für ein Pflegekind entschieden, weil ich zum einen eine Fehlgeburt hatte und es damals hieß, dass keine Aussicht auf eine weitere Schwangerschaft besteht. Und zum anderen, weil meine Schwägerin bereits zwei Pflegekinder aufgenommen hatte und dies auch recht unproblematisch von statten ging. Das Jugendamt leitet alle Schritte in die Wege, die Pflegeeltern holen das Pflegekind ab. Dann fährt man nach Hause, um es liebevoll groß zu ziehen wie ein eigenes Kind. Wir sagten uns, „wir können uns ja mal beim Jugendamt bewerben, uns alles in Ruhe anhören. Und Nein sagen kann man ja immer noch“. 

Hat sich Ihr Alltag dadurch verändert? Welche Auswirkungen hat das Leben mit Pflegekind?

Pflegemutter: Unser Alltag hat sich dadurch enorm geändert. Aber das tut es auch, wenn man schwanger ist und das Kind dann da ist. Anders sind nur die Besuchskontakte, aber die waren unproblematisch. Die Mutter zeigte wenig Interesse. So war es ein sehr neutrales, kurzes Zusammensein und dann ging jeder wieder zurück nach Hause. Maximilian haben die Besuchskontakte auch gefallen, da er immer seinen Bruder sehen konnte. Ansonsten ist der Alltag wie beim eigenen Kind. Man hat freie Hand, was man in der Freizeit macht, wo man hinfährt, wann und wo man mit dem Kind zum Arzt geht und so weiter. Für uns ist unser Pflegekind wie unser eigenes Kind, das wir dann doch noch bekommen haben, als Maximilian drei Jahre alt war. Für uns macht es gar keinen Unterschied, nur auf dem Papier.

Wenn Besuchskontakt zu den leiblichen Eltern besteht, was ist dann wichtig, damit dieser gelingt?

Pflegemutter: Der Besuchskontakt fand früher alle vier Wochen statt, mittlerweilen sind es alle acht Wochen. Die leibliche Mama hat nochmal zwei Kinder bekommen. Deshalb ist es für sie schwieriger geworden, den Termin einzuhalten. Beim Besuchskontakt ist es gut, wenn man sich so wenig wie möglich zwischen Mama und Kind stellt. Wir hatten ja immer eineinhalb Stunden und in dieser Zeit darf die leibliche Mama sich um das Pflegekind kümmern. Auch wenn man andere Erziehungsmethoden hat oder andere Vorstellungen, was das Kind essen darf und was nicht: einfach dezent zurückhalten und auf die Vorschläge der leiblichen  Mutter verständnisvoll zugehen. 

Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt?

Pflegemutter: Die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt läuft gut. Über den langen Zeitraum hatten wir immer nette, freundliche, zuvorkommende Ansprechpartner, die sich bemühen und nach Lösungen suchen.

Was würden Sie Interessierten raten, die überlegen, ein Pflegekind aufzunehmen?

Pflegemutter: Das muss jeder für sich entscheiden. Wir bereuen es auf gar keinen Fall. Allerdings sollte es vorher reichlich überlegt sein. Man muss sich auch mit unliebsamen Situationen auseinandersetzen. Und man sollte im Hinterkopf behalten, dass es ein Pflegekind ist, das heißt, es besteht die theoretische Möglichkeit, dass es zu seiner Familie zurückkehrt. Wobei das nur in sehr seltenen Fällen vorkommt. Das Wichtigste aber ist: Man tut etwas Gutes. Die Kinderaugen strahlen; sie bekommen ein Zuhause. Das ist so wertvoll für die Kinder und für einen selbst auch. Diese kleinen Menschen haben ja oft  schon einiges hinter sich.

Der Pflegekinderdienst des Kreisjugendamts vermittelt Kinder aus Notsituationen in Pflegefamilien und berät und unterstützt sie nach Aufnahme. Die Kinder, die in Pflegefamilien vermittelt werden, stammen häufig aus Familien mit Suchtproblematik, psychischen Erkrankungen oder aus vernachlässigten Verhältnissen. Wichtig ist es, dass Paare, die sich für die Aufnahme eines Pflegekindes interessieren Verständnis für deren Herkunft mitbringen und Einfühlungsvermögen. Interessierte Paare können sich gerne an den Pflegekinderdienst des Landkreises wenden und nähere Informationen über Voraussetzungen und Ablauf einer Pflegeelternschaft informieren (www.landkreis-regensburg.de; Stichwort: Pflegekinder). Kontakt: Die Mitarbeiterinnen des Pflegkinderdienstes sind unter Tel. 0941 4009-238, Franziska Eichhammer, oder 4009-610, Renate Klemm oder  Email: vollzeitpflege@lra-regensburg.de erreichbar.

 

 

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